Dobrudscha


Dobrudscha

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Dobrụdscha
 
die, rumänisch Dobrogea [do'brodʒe̯a], bulgarisch Dọbrudža [-dʒa], Landschaft zwischen dem Schwarzen Meer, dem Unterlauf der Donau und ihrem Delta, umfasst 23 262 km2 mit rd. 2,5 Mio. Einwohner. Der größere nördliche Teil gehört zu Rumänien, der südliche zu Bulgarien.
 
Die Dobrudscha ist ein aus tertiären Kalken aufgebautes Tafelland mit Lössauflage, aus dem nur im Norden ein Gebirgsland aus Granit u. a. paläozoischen Gesteinen (Ţuţuiatu, 467 m über dem Meeresspiegel) aufragt. Im Osten fällt die Dobrudscha mit 20-50 m hoher Steilküste zum Schwarzen Meer ab. Das Klima ist kontinental, die Winter sind durch den Meereseinfluss gemildert. Die Dobrudscha hat geringe Niederschläge und hohe Sonnenscheindauer. Das Gebiet, noch bis 1880 zum Teil eine Natursteppe, ist eine Getreidekammer Rumäniens und Bulgariens. Die größte Stadt der Dobrudscha ist das rumänische Konstanza, größte Stadt im bulgarischen Teil ist Tolbuchin.
 
Die Wirtschaftsgrundlage bilden Getreideanbau, Viehzucht, Weinbau (im Norden und bei Murfatlar), Fischerei (in Strandseen und an der Küste), Abbau und Verarbeitung der Bodenschätze (Eisenerz, kupferhaltiger Pyrit, Schwerspat, Granit, Kaolin; in Bulgarien gibt es ein kleines Erdöl- und ein Ölschiefervorkommen), chemische Industrie und der Fremdenverkehr (v. a. Seebäder). Durch die rumänische Dobrudscha führt der Donau-Schwarzmeer-Kanal (eröffnet 1984).
 
 
Von den thrakischen Geten im 1. Jahrtausend v. Chr. bewohnt, siedelten seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. Griechen an der Küste des Schwarzen Meeres, wo sie die Städte Istros (Histria), Tomis (heute Constanţa [Konstanza]) und Kallatis (heute Mangalia) gründeten. Skythen (der antike Name der Dobrudscha war »Scythia minor« beziehungsweise »Pontica«) durchzogen oder besiedelten die Dobrudscha, bis sie zwischen 72/71 und 29 v. Chr. von den Römern besetzt wurde und im 1. Jahrhundert n. Chr. der römischen Provinz Moesia einverleibt wurde. Bis zum 7. Jahrhundert gehörte die Dobrudscha zum Oströmischen (Byzantinischen) Reich. Im letzten Viertel des 7. Jahrhunderts bildete sie den Mittelpunkt des Ersten Bulgarischen Reiches (Bulgarien, Geschichte). Nach dessen Vernichtung unter byzantinischer Herrschaft (971), wurde sie 1186 in das Zweite Bulgarische Reich inkorporiert. Der Name Dobrudscha geht wahrscheinlich auf den kurzzeitigen Herrscher Dobrotič im 14. Jahrhundert zurück. 1388-95 besetzte der walachische Fürst Mircea der Alte die Dobrudscha, die danach 1417-1878 unter türkischer Herrschaft stand. Der Berliner Kongress (1878) gab den größeren nördlichen Teil der Dobrudscha an Rumänien, das nach dem Zweiten Balkankrieg (Bukarester Frieden, 10. 8. 1913) auch die südliche Dobrudscha von Bulgarien erhielt. Diese Entscheidung wurde zwar im Frieden von Bukarest (7. 5. 1918 rückgängig gemacht, der Frieden von Neuilly (27. 11. 1919) stellte jedoch den Zustand von 1913 wieder her. Die im Vertrag von Craiova (10. 9. 1940) erzwungene Rückgabe der südlichen Dobrudscha an Bulgarien wurde im Pariser Frieden vom 10. 2. 1947 bestätigt.
 
Die heute zur Gruppe der Rumäniendeutschen zählenden Dobrudschadeutschen waren zuerst nach 1804 und dann in etwa vier großen Etappen bis 1917 in das Donaudelta eingewandert. Ursprünglich aus dem südwestdeutschen Raum stammend (deshalb zu den »Donauschwaben« zählend), bewahrten sie ihre Tradition v. a. in Lied und Sprache. Zwischen 1923 und 1925 stieg die Zahl der Dobrudschadeutschen durch Zweitumsiedler aus Bessarabien (1930: 13 000). 1940 wurden rd. 14 500 Dobrudschadeutsche nach Deutschland (»Wartheland«) umgesiedelt.
 
 
H. Petri: Gesch. der dt. Siedlungen in der D. (1956);
 I. I. Georgiev: Dobrudža v borbata za svoboda, 1913-40 (Sofia 1962);
 
La Dobroudja Romaine, bearb. v. A. Suceveanu u. A. Barnea (a. d. Rumän., Bukarest 1991).
 

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Do|brụ|dscha, die; -: rumänische und bulgarische Landschaft zwischen Donau u. Schwarzem Meer.

Universal-Lexikon. 2012.

Synonyme:

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